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Meere voller Plastik

Die größte Müllkippe der Welt

2050 schwimmt mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen. Doch eine Seekuh macht bald klar Schiff.

  • Wer gerade seinen nächsten Strandurlaub in Hawaii plant, sollte sich das nochmal gut überlegen: schon jetzt darf man sich nicht wundern, statt weißer Sandidylle Plastikberge an den Stränden unserer Trauminseln vorzufinden. Doch richtig dick kommt es erst noch: Forscher der Ellen MacArthur Foundation fürchten, dass 2050 mehr Plastik als Fisch in den Meeren schwimmen wird. Wie kommt das? Jedes Jahr gelangen laut WWF von den 78 Millionen weltweit gebrauchten Plastik­verpackungen etwa 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt, ein Großteil davon in die Meere. Jede Sekunde ver­müllen wir die Ozeane mit ca 2,5 Tonnen Plastik, das dort nie verschwinden wird.

    Das eigentliche Problem dabei ist jedoch nicht nur die schiere Menge, sondern die Tatsache, dass Plastik einfach nicht ver­rotten will. Hätte man die erste Plastiktüte 1961 in einen Fluss geworfen, der sie in die Meere gespült hätte, würde sie heute noch dort schwimmen. Erst im Jahre 2460 würde sie zersetzt sein. Na wenigs­tens etwas? Von wegen! Da fängt das Problem erst richtig an. Denn Mikro­plas­tik verwechseln Fische und Muscheln mit Plankton und essen es. So landet es schließ­lich auch auf deinem Teller, mit großen Folgen für deine Gesundheit.

Zwischen Amerika und Asien schwimmt ein Plastikstrudel von der Größe Europas


Forscher gaben dem schwimmenden Kontinent aus Plastik den Namen „Great Pacific Garbage Patch“. Schätzungen über Größe und Gewicht schwanken, da der kreisende Koloss buchstäblich fließende Grenzen hat. In den übrigen Ozeanen wurden vier weitere gigantische Plastikstrudel unbekannter Größe ausgemacht.

Kann ein Schiff die Meere retten?

  • Es ist eine Erfindung, die helfen könnte unsere Ozeane zumindest von einem Teil des schwimmenden Plastiks zu reinigen. Ihre offizielle Bezeichnung klingt etwas sperrig: das erste zertifizierte Müll­sam­mel­schiff. Feierlich getauft ist es auf den Namen „Seekuh“. Dahinter verbirgt sich ein Spezial­katamaran, der Plastik­müll aus dem Meer fischen kann, 6 Ton­nen schwer, 12 Meter lang und 10 Meter breit, mitfinanziert von der Telekom.
Die Idee ist, dass später ein Seeelefant mit 50 Seekühen solargetrieben über die Meere fährt, die Kühe selbständig Plastik sammeln, und der See­ele­fant daraus Heizöl macht. Günther Bonin, Erfinder der Seekuh
  • Erfinder Günther Bonin hat das Schiff so entwickelt, dass es zerlegbar ist und per Frachtcontainer an jeden Ort der Welt gebracht werden kann. Zum Beispiel in den Nordpazifik zum Great Pacific Garbage Patch.

    Der Katamaran, der im Herbst 2016 erstmals zu Wasser ging und bereits einen 6-monatigen Testeinsatz in Asien absolviert hat, senkt zwischen seinen beiden Rümpfen eine Netzkonstruktion ins Wasser ab und fischt damit Plastikmüll in bis zu vier Metern Tiefe aus dem Meer. Damit sich keine Lebewesen in den Netzen verfangen, fährt die Seekuh in „Schrittgeschwindigkeit“. In Gegenden mit hohem Müllaufkommen im Wasser kann die Seekuh mit ihren Netzen so täglich mehrmals 2-3 Tonnen sammeln. Auch an Stränden kann sie eingesetzt werden: hier können die Plastikberge nach dem Baggerprinzip direkt an Land geschoben werden.

    Und: Aus einer Tonne Plastikabfällen lassen sich immerhin 800 Liter Erdöl erzeugen. Ein durchschnittliches Fahrzeug kann damit locker mehr als 10.000 km zurücklegen.

    Mit der Unterstützung der Seekuh hat die Telekom in eine Forschung investiert, von der das Überleben der Ozeane und letztlich auch der Menschheit abhängt. Das Ziel: Bald schon soll die Seekuh als Hochseevariante gebaut werden und, angetrieben durch Wind- und Sonnenenergie, an allen Orten auf hoher See selbständig Plastikmüll sammeln.

    Aber wir können alle dazu beitragen, dass es künftig erst gar keine Müllabfuhr in den Meeren braucht: Plastik ver­mei­den, Papier- oder Stoff- anstelle von Plas­tik­tüten nutzen, Nach­füll-Ver­packungen verwenden, und wenn einmal kein Weg am Plastik vorbei­führt, dann (im gelben Sack) ord­nungs­gemäß entsorgen.